Mein Schulalltag IV

Es ist soweit. Es ist Freitag. Beim Frühstück quäle ich mir ein halbes Brötchen rein, denn auch wenn mein Magen das Signal sendet, dass er voll ist und ich weder Hunger noch Appetit habe, weiß ich, dass ich etwas essen muss. Sonst stehe ich den Tag überhaupt nicht durch.

In der Schule angekommen, will ich noch einen Lese- und Mathetest ausdrucken, doch bei dem gestrigen Stromausfall scheint’s die ganze Wandreihe inkl. Drucker erwischt zu haben, denn es fließt kein Strom. Also umplanen. Dann werden wir eben doch das Buch „Sonst bist du dran“ von Renate Welsh halbwegs abschließen und ganz viele AB bearbeiten. Ich weiß schon jetzt, dass wir das nicht schaffen werden.

Die Frühaufsicht (meine erste) beginnt und ich unterhalte mich locker mit einigen SchülerInnen über dies und das. Einige kommen in witzigen, gruseligen oder aufwendigen Kostümen, denn einige Klassen (vor allem die Kleinen) feiern heute Fasching. Danke, dass mir das mal eher gesagt wurde.😦 Es klingelt zum Reingehen. Meine liebe Y. ärgert es so dermaßen, dass die ersten beiden Stunden Sport heute ausfallen, weil ein Notfallplan herrscht, dass sie ihre Sachen hinschmeißt und sich hinter dem nächsten Baum (außerhalb des Schulgebäudes) verschanzt. Ich reagiere zunächst gar nicht, denn das Spiel kenne ich schon. Jetzt nur keinen Druck und schon gar nicht drohen. Am meisten hat sich bewährt, ihr einen Weg aus der Situation zu weisen und ihr die Konsequenzen klar zu machen, wenn sie sich weiter so benimmt. Zwei verwirrte Muttis schauen mich erwartungsvoll an, doch ich lasse sie sich zunächst ein bisschen beruhigen, um die Nachricht zu verdauen. Die eine Mutti geht zu Y. und möchte sie hinter dem Baum hervor locken. Ich würde ihr gern zurufen, dass das nichts bringt, doch das würde in Y.s Ohren vermutlich nach einem weiteren Grund klingen, um zu sagen, dass sie hier keiner leiden kann. Also lasse ich es und beobachte, ob die Mutti vielleicht mehr Glück hat als ich, doch leider nimmt Y. weiter Reißaus und versteckt sich nun hinter dem relativ nahe an der momentan sehr befahrenen Straße stehenden Zaun. Ich gehe mit ihrer Mappe auf dem Rücken und dem Sportbeutel in der Hand auf sie zu und mache ihr deutlich, dass sie drei Minuten Zeit hat, um nach oben zu kommen. Wenn sie dann nicht da sein sollte, muss ich Mutti und Polizei anrufen, denn sie ist zu nah an der Straße und da kann schnell etwas passieren. Ich gehe langsam zurück und ignoriere, was sie mir hinterher ruft, zumal es reine Frust-Aussagen sind und nicht stimmen. Doch im Moment lässt sie diesbezüglich keine andere Meinung zu – sie steckt in ihrer Wut und Frustration fest und sucht Gründe, weswegen sie sich zu Recht hinter dem Zaun verschanzen kann. Ich schließe das Schultor (neue Vorschrift) und mache mich mit einem Abstecher zum Lehrerzimmer auf den Weg nach oben. Y. ist sogar noch vor mir da und bekommt dafür sofort ein Lob meinerseits. Zwar sitzt sie noch in ihrer Ecke und will nicht wirklich hereinkommen, aber das ist für’s erste annehmbar. Weiterlesen

Mein Schulalltag III – Wie das Leben so spielt.

Manchmal passieren Dinge, wegen denen ich glatt abergläubig werden könnte. So auch in dieser Woche.
Vielleicht kann sich der ein oder andere noch erinnern: Im Rahmen meines Studiums absolvierte ich ein Semester lang ein Praktikum bei einer Lehrerin, von der ich so unglaublich viel gelernt habe, wie man es sich nur vorstellen kann. Hätte ich sie nicht getroffen, wäre ich wohl mit meinem Beruf sehr schnell unglücklich geworden und würde mich bestimmt deutlich schlechter schlagen. Ich werde ihr wohl mein Leben lang dankbar sein, dass sie sich bereit erklärt hat, meine Mentorin zu werden.

Am Wochenende sprach sie mich nun an, wie denn meine momentane Situation sein, ob ich immer noch an meiner Schule sei. Sie suche eine Vertretung für sich selbst, auf die sie sich verlassen kann, da sie bist Ostern nicht arbeiten darf. Sie würde auch (wenn gewünscht) alles für den Unterricht vorbereiten. Und jetzt kommt’s: Sie hat dabei an mich gedacht. Was kann es für ein schöneres Kompliment geben?
Ich habe ihr leider absagen müssen, da ich ja nach wie vor Vertretungs-Klassenlehrerin meiner Vierten bleiben wollte und die Verlängerung meines Vertrages gerade durch alle Gremien ging. Falls sich jedoch etwas ändern sollte, würde ich mich sofort bei ihr melden.

Tja und es kam wie es kommen musste: Die Veränderung kam und damit die gereizte Stimmung. Weiterlesen

Mein Schulalltag II

Menschen werden krank. Das ist normal. Manche Menschen werden öfter krank, manche sind es fast nie. Das ist auch normal. Bei einigen dauert eine einfache Erkältung Wochen, andere müssen mit einem grippalen Infekt nur wenige Tage kämpfen, ehe sie sich wieder fit für die Arbeit fühlen. Aber früher oder später werden alle wieder arbeitstauglich.

An unserer Schule fühlt es sich gerade alles andere, aber nicht normal an. Von ca. 25 Lehrer/innen (fragt mich bitte nicht genau, ich weiß es einfach nicht) sind seit letzter Woche täglich 8 Lehrer krank, zusätzlich sind zwei Langzeiterkrankte dabei, weswegen ja auch ich als PKB angestellt wurde – nur für eine davon wohlgemerkt. Hinzu kommt, dass nun auch etliche Erzieher/innen krank sind.

In der heutigen Dienstberatung gab uns deshalb die Direktorin zerknirscht und wenig begeistert bekannt, dass nun die eine Fünfte weiterhin aufgeteilt bleibt. Die ohnehin schon gestrichenen Teilungsstunden für die Dritten bis Sechsten, müssen nun auch in der SAPH (SchulAnfangsPHase) gestrichen werden. Ebenso müssen die Lehrer, welche eine Einzelfall-Sprachförderung anbieten, diese ebenfalls streichen und zwar für alle – auch die SAPH. Davon ist auch einer meiner Schüler betroffen, der diese Sprachförderung mehr als nur nötig hat. (Es gibt zwar auch noch die Sprachförderung von außerhalb, aber bei uns gibt es für jedes Fach einen Lehrer, der sich mit den einzelnen Förderbedürfnissen aller Kinder beschäftigt und mit dieses Tests macht und wenn nötig einen Förderplan schreibt & individuelle Förderung nach dem Unterricht anbietet.) Ebenso wird eine Lerngruppe der SAPH aufgeteilt, damit dieser Lehrer frei für Vertretungsstunden ist.  Weiterlesen

Mein Schulalltag I

Mathe bei den Fünftern (bei einigen leider traurige Doppeldeutigkeit) in der sechsten Stunde. Freude. Da bin ich schon leicht abgespannt und die Schüler erst Recht. Elf Mädchen und sechs Jungs. Die Klassenlehrerin ist nach einem Tag bereits wieder krank gemeldet. Im letzten Halbjahr war sie bestimmt 40% der Schultage krank / nicht da, weil eines der Kinder krank war. Es kam mir vor, als ob ich sie im letzten Halbjahr gerade mal alle vier Wochen für ein paar Tage gesehen habe. Für die Klasse ist so etwas pures Gift, denn es fehlt nicht nur eine feste Bezugs- und Vertrauensperson, sondern auch jegliche Struktur und eindeutige Regeln mit Konsequenzen. Die Klasse hat zudem beinahe für jedes Fach einen Fachlehrer. An sich super, aber ohne Struktur die Hölle pur für Lehrer und Chaos für die Schüler. Wenn ich etwas mehr Zeit hätte (und nicht nebenbei immer noch an meiner Masterarbeit rumdoktern würde), hätte ich schon längst versucht sowas wie eine Ersatz-Klassenlehrerin zu werden, wenn die Schüler es zugelassen hätten. Hätte hätte Fahrradkette. Weiterlesen

Ich bin KLASSENLEHRERIN!!!

Gerechte Auslese

Es ist soweit: Ich bin zum Gespräch in der Schule. Die Schulleiterin ist heute etwas angespannt, weil sie viel um die Ohren hat und die Sekretärin wohl leider einen Termin falsch geplant hat und nun alles ein bisschen durcheinander geraten ist.Doch als wir uns in ihr Büro setzen, ist das alles erst einmal egal und sie beantwortet mir all meine Fragen. Und das zufrieden stellend.  Weiterlesen